Dienstag, 7. Februar 2017

"Shadows" von Olivia Mae | Rezension




Hallo Kleckse!

Solch eine..naja...nichtssagende Rezi habe ich wohl lange nicht mehr geschrieben. Ich musste tierisch aufpassen, dass ich nichts verrate. Und alle Infos über das Geschehen, das nach den ersten Seiten passiert, könnte ein Spoiler sein. Weil man einfach gleich mittendrin ist.



„Er will…er wollte, dass ich es vorlese.“
„Und das ist seiner Mutter recht?“
„Sie sagte…es wäre wichtig für die Klasse, um zu begreifen, was sie getan haben.“ (S.11)


So beginnt alles...

Der Außenseiter Jakob stirbt. Der Polizei ist klar: es ist Suizid. Hinterlassen hat er neben einer labilen Mutter jede Menge Fragen und ein Tagebuch. Aufgezeichnet wurde dort vieles. Im Mittelpunkt steht da weniger er selbst, sondern eher seine verhassten Mitschüler. Er nimmt ihnen nicht nur die Scheuklappen von den Augen, sondern bringt einiges zum Rollen, was man nicht erwartet hätte.
Es ist eine Geschichte über Schein und Wirklichkeit, Freundschaft, Ausgrenzung, Schicksalsschläge und vor allem eines: Rache.




Die Autorin

Geboren im wunderschönen Süden von Österreich wuchs ich umringt von Büchern und Geschichtenerzählern auf. Mein Großvater liebte Münchhausen, meine Mama die Geschichten von Tausend und einer Nacht und mein Bruder die Knickerbockerbande… Wohin ich auch sah, geschriebene Worte begleiteten mich somit von der Kinderstube an. Meine Oma hatte selbst eine lyrische Ader und dank den Investitionen meiner Eltern kam ich bald in den Genuss einer stetig wachsenden Bibliothek, die ich mein Eigen nennen durfte.
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„Die Geschichte hat mich zerstört“. Wie oft habe ich diesen Satz gehört. Normalerweise habe ich dann versucht, nicht die Augen zu verdrehen. Denn eigentlich war ich ja nur neidisch. Ich wollte das auch. Rotz und Wasser heulen, am Boden zerstört sein, mich tierisch aufregen, seufzen… einfach dabei sein.
Dieses Buch gab mir das. Und noch viel mehr. An vielen Stellen dachte ich mir: „Hey, dieses Buch müsste man unbedingt in der Schule lesen.“ Mittlerweile weiß ich gar nicht mehr, was ich in dem Bezug denke. Nur eines: dieses Buch hat es in sich!!
 Wortwörtlich.




Protagonisten

„Die 8b war keine einfache Klasse. Sie hatten keinen Zusammenhalt und bestanden zur Hälfte aus Söhnen und Töchtern reicher Familien.“ (S.17)

Die beliebte Janina und ihre beste Freundin Tamara, der sportliche Tobias und sein bester Freund Walther. Und dann gibt es auch noch Natasha. Tash. Beißerchen. Blaß, dunkel angezogen, unscheinbar und Außenseiter. So wie auch Jakob einer war. Oder? Schließlich hat er doch ihr das Tagebuch anvertraut. Sie war diejenige, die es vor der ganzen Klasse vorlesen sollte. Diese Offenbarung.

Normalerweise würde ich hier die Figuren darstellen. Wie ich sie fand, was für eine Verbindung sie zueinander haben und welche Rolle sie spielen.
Aber genau diese Aspekte jetzt zu nennen, wäre ein derartiger Spoiler…tz.
Sagen wir es mal so: in diesem Buch ist keiner so, wie man anfangs denkt. Und keiner wusste, was sich hinter dem anderen verbirgt.



Jakobs Tagebuch hat da ganz schön Licht in die Sache gebracht. Doch was hat es mit diesem Vermächtnis auf sich?


„Sie hatte von Anfang an gewusst, dass dieses Heftchen zum Skandal werden würde. Und nun war es sogar besser als ein einfacher Skandal. Es wurde zu einem grandiosen Rundumschlag.“ (S.57)
„…ihm war aufgefallen, dass die Verantwortung, die Natasha mit dem Buch übernommen hatte, keine ungefährliche war.“ (S.59)
„Ich glaube, er schrieb das Tagebuch am Ende nicht mehr für sich, sondern aus Rache.“ (S.60)
„Woher weiß er das alles?“ (S.61)



Olivia Mae hat es auch ein bisschen geschafft, dass der Leser nach diesem Buch mit Vorurteilen etwas vorsichtiger umgeht. Ist ein Schläger gleich ein Schläger? Der Partyboy unbekümmert? Die Außenseiter… was in diesem Buch hinter diesen Rollen steckt, werdet ihr früher oder später erfahren…

„Wir springen über alle Vorurteile und geben einander die Möglichkeit, gewisse Meinungen auszuräumen.“ (S. 87)

Und das fand ich wirklich spannend. Die Aufdeckung und Entwicklung der Personen. Was sie wirklich miteinander zu tun haben. Ich darf hier gar nicht mehr schreiben. Das ist mir ein zu dünnes Eis.





Idee

Ja, wie kommt man nur auf diese Idee? Wenn ich aus dem Buch hochgeschaut habe, sind Wörter vor meinem Geiste verschwommen. Ich habe an meine eigene Schulzeit gedacht. Viele Dinge habe ich auch so erlebt. Diese Grundcharaktere gibt es überall. Als Leser fühlt man sich einfach total in die eigene Schulzeit zurück versetzt. Automatisch überlegt man auch, wie es hätte sein können. Wie man sich damals verhalten hat. So ist das Geschehen viel näher. Realistisch. Greifbar. Und ergriffen hat es mich definitiv.




Schreibstil

Olivia? Wahnsinn! Ich hätte nie gedacht, dass das Buch so gut ist. 
Okay, der Philipp hat es ja schon erwähnt. Mehrmals. Aber davor…es hätte wohl noch eine ganze Weile gebraucht, bis ich diesen Schatz in die Hand genommen hätte. Dein Buch plättet mich. 
Da habe ich schon mal gefühlt zigtausende bunte Blättchen in „Shadows“ reingestopft und mir fehlen trotzdem immer wieder die Worte! 

Für alle anderen: der Philipp ist mein langjähriger Büchereikollege und in manchen Dingen fast so verrückt wie ich. Nicht schlagen. Fast, sagte ich. Mein Level wirst du nicht erreichen. Ha! Er hat mich jedenfalls darin bestärkt, diese Geschichte zu lesen. Weil sie so gut geschrieben wäre. Total klasse und so weiter. Entschuldige, ich weiß nicht mehr, was du wirklich gesagt hast. Nur, dass es gut sein soll. Und so ist es auch. Die Autorin dieses Buches ist mehr als nur eine Künstlerin.
Stück für Stück setzt sie den anfänglichen Flickenteppich gekonnt nach und nach wie ein Puzzle zusammen. Und mit jedem Teil wird man mehr und mehr reingezogen. Und was am Ende herauskommt, naht einem Einsturz.




Gefühl

Also wer bei diesem Buch keine Emotionen gespürt hat, der… - ach, ich weiß auch nicht. Von Gänsehaut bis hin zu leichter Übelkeit..! Genau. Mir wurde irgendwie auch übel bei manchen Szenen. Erschüttert war ich ebenso wie gerührt und natürlich auch gespannt. Das war ich die ganze Zeit über. Ich habe mich so geärgert, dass ich nicht schneller gelesen habe. Aber abends war ich meistens so müde, auf der Arbeit sehen es die Kunden bestimmt nicht gerne und unter der Woche gibt es keinen Morgen. Nicht all zu einfach. Doch bei dem Buch habe und musste ich Möglichkeiten finden. Es ist aber doch nicht all zu praktisch, im Bus entsetzt die Hand vor den Mund zu schlagen, im Supermarkt kurz vorm Tränenausbruch zu sein oder während der normalen Büchereiöffnungszeit kichernd in der Ecke zu sitzen. Aber dafür gerne.



„Du zerstörst dich, aber ich kann dir nicht helfen. Ich kenne dich nicht.“ (S.42)






Fazit

So ein vielschichtiges Erstlingswerk habe ich noch nie gelesen. Ich kann es jedem zu Herzen legen, der auch mal in der Schule war oder noch in der weiterführenden Schule ist. Also irgendwie jedem…



Panemchallenge
Passend zum Monatsthema, da alles mit einem Selbstmord beginnt und die Geschichte sich um dieses Ereignis aufbaut...

Kommentare:

  1. Hallo Sara,
    wow, was für eine Rezension! Man merkt deinen Worten richtig an, wie sieht dieses Buch zu fesseln und zu bewegen weiß. Die Buchzitate geben einen kleinen und sehr guten Einblick, was einen hier erwartet. Man spürt bereits das Unheil drohen, welches das Lesen dieses Tagebuchs zutage fördert. Besonders neugierig macht mich auch deine Bemerkung über die Charaktere und die Tatsache, dass nichts so ist, wie es erst scheint. Du hast mich überzeugt. Dieses Buch kommt auf die Wunschliste!

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

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    1. Hey Tanja!

      Du weißt gar nicht, wie sehr ich mich über deinen Kommentar freue! Echt klasse, dass die Rezension so gut bei dir ankommt. Ich bin total gespannt, wie dir das Buch gefallen wird und hoffe deswegen, dass es nicht zu lange auf deiner Wunschliste bleiben muss. :D

      Ich wünsche dir einen schönen Wochenstart!

      Schöne Grüße, Sara (Tastenklecks)

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Danke, Kleckse! <3