Montag, 3. Oktober 2016

"10 Tage in Vancouver" von Jutie Getzer | Rezension





Hallöchen! 

Kennt ihr diese Spielbücher für Kinder? Bei welchen der Leser durch Entscheidungen den Verlauf der Handlung beeinflussen kann? 
Am bekanntesten ist da wohl die Reihe"1000 Gefahren". Ich hatte auch ein solches Exemplar und habe es als Kind geliebt. Um so mehr habe ich mich natürlich gefreut, als Jutie Getzer mich angeschrieben und mir ihren Roman "10 Tage in Vancouver" als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Es ist nämlich ein interaktiver Liebesroman, der erste seiner Sorte (jedenfalls wüsste ich von keinem anderen). Kennt ihr noch andere?





Ist es möglich, dass einem der Typ aus dem Fernseher dermaßen den Verstand raubt, dass man an nichts anderes mehr denken kann? 

Ja, ist es. Das muss Lara am eigenen Leib erfahren. Nach langem, erbitterten Kampf gegen die Gefühle für ihn, einem vollkommen fremden, weit entfernten Schauspieler, gibt sie ihren inneren Widerstand auf und beschließt, ihn in Vancouver, dem Drehort der Serie, zu suchen. 
In drei verschiedenen Varianten mit unterschiedlichem Ausgang erlebt sie Dinge, die sie sich in Düsseldorf nicht hätte träumen lassen. 
Wird es ihr gelingen, ihn in der Riesenmetropole Kanadas zu finden? Wird sie auf jemand anderen treffen? Oder wird sie mit demselben Liebeskummer heimfliegen, mit dem sie nach Vancouver kam?









Schreibstil

Das Buch lässt sich flüssig lesen, eigentlich will man gar nicht aufhören. Dadurch hat es mir einige Spaziergänge versüßt. Ja, ihr habt richtig verstanden. Ein Outing: ich lese beim Gehen. Tatsächlich ohne zu stolpern, oder langsam zu gehen. Meine Arbeitsstelle ist im Nebenort, da hat mir das Buch die ein oder andere Mal die Langweile verhindern. Auch in anderen Situationen. Es lässt sich flüssig lesen. So, als würde es die Protagonistin direkt erzählen. 
Auch wenn es öfters vorhersehbar ist, will man trotzdem herausbekommen, ob es sich in der jeweiligen Geschichte wirklich so entwickelt. Da wäre es natürlich schön, wenn es zwischen den verschiedenen Möglichkeiten noch mehr Kontraste innerhalb der Handlung gebe. 
Da kann ich gerne in's Detail gehen. Also hier kurz etwas zum Markieren, denn es beinhaltet fiesen Spoiler

Spoiler Anfang
*Da fällt mir spontan eigentlich nur eines ein. Aber das zu Lesen ist wohl wirklich übel.
*Doch ihr habt es nicht anders gewollt. ;)
*In jeder einzelnen Geschichte geht das ineinander Verlieben ruckzuck. Klar bleiben da *nur wenige Tage Zeit. Aber hätte man da nicht wenigstens die Entscheidung zur Hochzeit *in einem Art Zeitsprung nach ein paar Monaten machen können? 
*
Spoiler Ende

Ganz toll finde ich, dass die Charaktere sich in allen Strängen treu bleiben. So bleibt es auch authentisch. Wobei - nicht ganz: manche Verhaltensweisen fand ich schon etwas seltsam. Vielleicht liegt das aber nur daran, dass ich derzeit in der realen Welt nichts mit Liebe am Hut habe. 
Dann ist es klar, dass ich manches naiv oder überzogen finde. Andere würden das wohl romantisch nennen.




Charakter

Lara ist verträumt, naiv, aber auch schlagfertig. Diese Kombination ist in der Liebe nicht unbedingt von Nachteil. 
Die verschiedenen Männer, mit denen sie anbendelt, haben genügend Potential zum Traumtypen. Ihr versteht dann schon, was ich meine.
Ich war an manchen Stellen wirklich von den Protagonisten genervt. Lag es an der Naivität? Der Anschmachterei?  
"Dass selbst das Leben der Angehörigen eines Serienstars derart kompliziert werden kann, hätte ich niemals für möglich gehalten"
Das liegt doch eigentlich auf der Hand. Der sogenannte Serienstar steht im Mittelpunkt der Öffentlichkeit. Irgendetwas finde viele daran toll, wollen auch etwas davon haben. Ein Weg zum Star geht nun eimal über sein enges Umfeld: Familie und Freunde. Natürlich können die sich dann auch nicht mehr frei bewegen, ohne beurteilt oder gar ausgenutzt zu werden.
Aber was soll man auch von einer erwarten, die mit sechsundzwanzig in einen fiktiven Charakter verliebt ist? 
Dann wieder habe ich für sie gefreut und mitgefiebert. 




Handlung

Sobald Lara in Vancouver ist, steht sie vor der Entscheidung, wie es weiter gehen soll. 

Und ich als Leser durfte sie ihr abnehmen.

"Entscheide selbst: Was würdest du tun? 
1. Einen Mietwagen nehmen, auf eigene Faust losziehen und versuchen, die Filmstudios und Drehorte zu finden? 
2. Dem Schicksal vertrauen, ins erstbeste Taxi steigen, in der Hoffnung, der Fahrer hat brauchbare Tipps über die Serie, die Darsteller oder die Drehorte? 
3.  Dem Zufall auf die Sprünge helfen, am Flughafen einen Taxifahrer wählen, der altersmäßig am besten passt und wenigstens aussieht, als könnte er ein Serienjunkie sein? Kann doch eigentlich nicht schiefgehen, oder?   "

Ich habe alle drei Möglichkeiten probiert. Jede Entwicklung hat mir auf ihre Art gefallen. 
Irgendwie ist es aber seltsam, auf diese Art und Weise zu lesen. 

Da ist man eine Kombination gewöhnt, freut sich über das Ende... und dann fängt man mit der nächsten Entscheidung wieder von vorne an. 
Da wäre es natürlich schön gewesen, wenn ich dazu nicht erst wieder extra den Startpunkt suchen müsste (per Inhaltsangabe). Denn nach dem Ende einer Geschichte ist sozusagen auch jeweils das Buch beendet.
Mehr sage ich mal nicht an dieser Stelle. Finde es nämlich zu schwer, nicht zu spoilern.





Idee

Wieso sollte es diese Art der Bücher nicht auch für Erwachsene geben? Schließlich möchten sie ebenso unterhalten, wie miteeinbezogen werden. Finde ich klasse!
Bestimmt könnte man diese Art von Buch auch dafür benutzen, alternative Handlungsstränge sinnvoll zu nutzen. Denn wie oft hatten Autoren erst andere Szenen im Sinn und sich dann umentschieden.




Gefühl

Die vermeintlich lustigen Stellen war es dann doch nicht. Jedenfalls nicht für mich. Aber Humor ist bekanntlich Geschmackssache. 
Man kann auf jeden Fall mit der jeweiligen Geschichte mitfiebern. Ein paar Typen gibt es auch zum Anschmachten. Das wird denjenigen gefallen, die sich gerne "Bookboyfriends" suchen.
Keine der drei Möglichkeiten war für mich die Liebesgeschichte des Jahres. Aber ich habe sie gerne mitverfolgt.







Ein schöner Unterhaltungsroman, der einen die Welt um sich vergessen lässt. Es sollte mehr interaktive Romane geben!
Natürlich ist noch Platz nach oben, aber da ich wenig Vergleiche habe und mir es letzendlich gut gefallen hat, springen für diesen Titel vier Blumen raus!
Die Liebesroman-Fans werden bestimmt auf ihre Kosten kommen...




Kommentare:

  1. Das ist ja mal eine verrückte Idee - das Buch wandert auf meine WuLi.
    Danke und LieGrü
    Elena

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    1. Wie schön! Viel Spaß, wenn es dann mal gelesen wird... :D

      Schöne Grüße zurück, Sara

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Danke, Kleckse! <3