Sonntag, 4. September 2016

"Istanbul" von Anna Herzig | Rezension







Zuerst einmal möchte ich Anna Herzig für das Reziexemplar danken. 

Ich hätte was verpasst!

Mit 164 Seiten ist "Istanbul" ein sehr kurzer Roman. Kurz, aber oho!

Natürlich wollt ihr auch wissen, wie es mir gefallen hat. Immer langsam.

Erst einmal wäre natürlich wichtig, dass ihr noch mehr über die Geschichte erfährt.

 Also natürlich nur den Klappentext. Oder wie das auch immer bei einem Ebook heißt.







Wien. Zwei fremde Männer begegnen sich zufällig in einer warmen Sommernacht an einer verlassenen Bushaltestelle und warten auf den Nachtbus. Was als eine harmlose Unterhaltung zwischen dem in die Jahre gekommenen Albert „Bertl“ einem Außendienstmitarbeiter für Druckerpatronen und Pawel, dem jungen, hippen, weltoffenen Fotografen beginnt, ufert nach ein paar verpassten Bussen, Alkohol und gerauchtem Marihuana in heftige Diskussionen aus.
Albert, Pawel und der randvoll gefüllte Flachmann mit Jägermeister kämpfen sich zu dritt durch eine immer skurriler werdende Nacht.
Ein Wien – Roman. Oder so.







Mir fällt gleich ein Punkt ein, der eigentlich nicht wirklich negativ ist. Weil es einfach zum Buch gehört. Wer es lesen will, markiert es einfach. SPOILERGEFAHR! Ab "Schreibweise" spoilerfrei.
Wer sich das Buch in die Hand nimmt, um die Luft Istanbuls zu schnuppern, sich Simet verkaufen zu lassen und über die Kontinente zu wandern, sollte zu einem anderen Buch greifen. Denn mit Istanbul hat die Geschichte trotz Titel nicht viel zu tun. Trotzdem passt es aber zu der stillen Note des Buches.




Schreibweise 

Da die ganze Haupthandlung in direkter Rede geschrieben ist, ist Fantasie gefragt. Wie sitzen die beiden da? Welche Mimik und Gestik könnte man sehen? Es ist ja schon mutig, dass sie diese Art gewählt hat. Es hätte so leicht langweilig werden können. Wurde es nicht.
Irgendwie erinnert mich die Schreibweise ein bisschen an Janosch. Aber auch nur teilweise. Durch die kurzen und prägnanten Sätze, die sie in den Anmerkungen ab und zu raushaut. 
"Solltest du dich als Schriftstellerin nicht irgendwie sinnlicher ausdrücken?"
Mein Stichwort. Die Autorin hält sich nicht an Kleinigkeiten auf, sondern kommt immer gleich auf den Punkt. Die Protagonisten dürfen fluchen, saufen und einfach sein. Ist gewöhnungsbedürftig, aber einzigartig und irgendwie toll.




Charakter

Hinter den bekifften und betrunkenen Protagonisten steckt viel mehr, als man denkt. Sie haben eine sehr bewegende Vergangenheit, die eigentlich vieles erklärt. 
Ich konnte mich mit keinem von ihnen identifizieren - das ist aber bei solch einem Roman nicht unbedingt notwendig.




Handlung

Am Anfang des Buches war ich schon ein bisschen unsicher. Ist das wirklich etwas für mich? Zwei leicht Betrunkene an der Bushaltestelle? Ja! Zwei leicht Betrunkene an der Bushaltestelle. Die sentimental werden, sich Geheimnisse anvertrauen. Sind ja fremd zueinander. So scheint es. 
Nach und nach wird es spannend. Es steckt eine Vorgeschichte dahinter. Nicht nur das Hier und Jetzt zählt.
Wenn mich im echten Leben jemand Fremdes einfach so anspricht, würde ich das auch nicht ignorieren. Aber so viel wie die Beiden aus dem Nähkästchen plaudern? Wohl schon. 




Idee

Da muss man mal darauf kommen! Nicht nur der Aufbau der Handlung. Dass es einmal die Gegenwart gibt, die innerhalb der Anmerkungen spielt und auf der anderen Seite die Hauptgeschichte, die mittlerweile vergangen ist. 
Nein, auch dass sie sich den Ort "Bushaltestelle" ausgesucht hat. Dort, wo normalerweise in der Nacht so gut wie keiner ist. Keine verrauchte Bar, mit der ein Schriftsteller womöglich viel leichter arbeiten kann, als so ein verlassenes Plätzchen. Hut ab! 




Gefühl

An manchen Stellen musste ich laut auflachen. Etwas derber Humor. Aber das passt schon. Und ich lache selten bei Büchern. 







Alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen!
Für Leser, die das Zwischenmenschliche in Geschichten zu schätzen wissen.
Vier Blumen! 






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Danke, Kleckse! <3