Donnerstag, 18. August 2016

"Der Araber von Morgen" von Riad Sattouf



Titel: "Der Araber von Morgen"
Autor: Riad Sattouf
  • Verlag: Albrecht Knaus Verlag (16. Februar 2015)
  • ISBN-13: 978-3813506662









Hallo zusammen!

Dieses Mal gibt es von mir ein anderes Thumbnail (oder wie das auch immer heißt), weil ich die Rezi endlich online stellen will. Werde es also bei Möglichkeit dann auch angleichen. ;-) 
An dieser Stelle auch vielen Dank an RANDOMHOUSE für das Rezensionsexemplar! 

Wie manche von euch vielleicht schon mitbekommen haben, bin ich nicht zu 100% ein deutsches Mädel. 
Wenn ich auch das Aussehen tatsächlich eher von meiner deutschen Mutter habe (alte Fotos beweisen es und die Familie hat schon seit mehreren Generationen diesen südländischen Touch), ist mein Vater nicht von hier. 
Er kommt aus Syrien. Ja genau, das Land, das im Moment einen heftigen Bürgerkrieg erleben muss. 
Da ich bei meiner Mutter aufgewachsen bin, habe ich weder von der arabischen Kultur, noch von der Sprache viel mehr Ahnung als ihr. Das verstehen vielleicht viele von euch nicht. Aber darum geht es mir im Moment auch nicht.
Der Protagonist des folgenden Buches hat auch einen arabischen Vater. Er erlebt seine Kindheit in Syrien. Und damit auch diese Kultur. Wie lebt es sich als blonder Junge in einem arabischen Land? 
Das erfährt man in "Der Araber von Morgen".


Worum geht es?

Arabischer Frühling, Umsturz in Libyen und Krieg in Syrien. Als Reaktion darauf greift der 36-jährige französische Zeichner und Filmemacher Riad Sattouf zum Stift und erzählt von seiner Kindheit in der arabischen Welt: ein blondgelockter Junge, Sohn einer Französin und eines Syrers, wächst in Libyen und Syrien auf. Die Graphic Novel vom blonden Araber im Land der Diktatoren stürmte in Frankreich die Bestsellerlisten wie zuvor nur Marjane Satrapis „Persepolis“.
Quelle: Randomhouse






















Wie fand ich es? 



Weil es mir als erstes in den Sinn kommt, zuerst einmal das Negative.
Was mir in dem Buch sauer aufgestoßen ist, sind die Charaktere. Ein verzogener Junge, ein unsympathischer Vater und eine sich beugende Mutter. 

Irgendwie hat mir das auch sehr viel vermiest. Ich kann gar nicht mal genau sagen, wieso ich es so empfunden habe. Aber so etwas ist ja sowieso nur individuell. Vielleicht haben es ja viele andere anders gesehen? Letzendlich geht es aber auch weniger um die Personen.

Die Idee, das Thema mithilfe eines Graphic Novels zu vermitteln, finde ich klasse. Zum Einstieg perfekt. 
In die Geschichte kommt man ziemlich schnell rein und bleibt auch länger dabei. 
Es wird sehr eindrücklich geschildet, wie Riad zwar von vielen verhätschelt wird, durch sein besonderes Aussehen aber nie wirklich dazugehört. 



Während ich mich über seine Eltern und verschiedene Geschehnisse im Buch aufgeregt habe, hat der kleine Junge die Dinge angenommen. So, wie sie kamen. Vollkommen normal, wenn die Mutter sich dem Willen des Vaters beugt. 
Nichts besonderes, dass die Häuser in Algerien per Besetzung zu Eigentum werden. Das alles hat es sehr authentisch gemacht. 
Es ist die Sicht von Riad, der uns durch die Geschichte führt. Die Sicht eines kleinen Jungen, der in einer schwierigen Welt aufwächst. 


Es ist eine ziemlich drückende Atmosphäre. So habe ich es jedenfalls empfunden. Realitätsnah und ironisch zugleich. 
Der Überraschungseffekt blieb für mich aus. Stammt doch mein eigener Vater aus dieser Welt. So habe ich zumindest aus Erzählung das ein oder andere mitbekommen. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass viele Leser nicht mehr aus dem Staunen herauskommen. 

Kurze Anmerkung: das Buch würde von mir persönlich drei Schmetterlinge bekommen. Weil es nicht geflutscht ist und ich öfters einfach keine Lust mehr hatte. Aber nur deswegen sollte ich es nicht schlechter bewerten. 
Vier Sterne stehen dafür, dass es das beste Graphic Novel zu dem Thema ist, das ich kenne. Wer so etwas lesen möchte, ist da an der richtigen Adresse. Man sollte aber dabei bleiben und es nicht zwischendurch lesen (das habe ich gemacht...).



FAZIT

Um den Aufprall verschiedener Kulturen mitzubekommen, braucht man heute nicht einmal mehr das Buch. Trotzdem verschließen wir vor vielen Dingen die Augen. Welchen Einfluss hatte/hat die Politik auf die arabische Welt? Wie ist es, als Kind dort aufzuwachsen?
Das und mehr wird in diesem einzigartigen Buch behandelt. Wer daran interessiert ist, kann mit "Der Araber von Morgen" in das Thema einsteigen...



Kommentare:

  1. Was für Wurzeln hast du denn?
    Bei mir stehen auch noch einige Bücher von arabischen Autoren auf der Wunschliste. Dieses Buch gehört allerdings nicht dazu. Stattdessen möchte ich jedoch noch gerne was von Abbas Khider, Yasmina Khadra oder Nagib Machfus lesen. Leider gibt es viel zu wenig gute Literatur über den arabischen Raum. Das meiste strotzt nur von Hass und Vorurteilen.
    Ich bin übrigens eine Konvertitin und Ethnologin. Was mein Interesse erklären dürfte. :) Bist du Muslimin? Ist leider sehr schwer jemanden zu finden, der meine Literatur-Begeisterung auf allen Ebenen teilt.

    Liebe Grüße, Anja

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    1. Mein Vater kommt aus Syrien und meine Mutter aus Deutschland. Ich bin in der deutschen Kultur mit der deutschen Sprache als Deutsche aufgewachsen. Ich bin Katholikin (...zwar bin ich gläubig, aber nicht unbedingt religiös; es geht eher in die spirituelle Richtung). Dementsprechend identifiziere ich mich auch eher damit.
      Autoren aus dem arabischen Raum kenne ich ebenfalls nicht viele. Gelesen habe ich eigentlich bisher nur Rafik Schami, welcher übrigens auch persönlich sympathisch ist.
      Schön, dass du diesen Schritt gewagt hast. Hut ab!! Viele wollen, aber trauen sich nicht. Bzw. stehen ihnen zu viele Hindernisse im Weg.
      Es gibt tatsächlich nicht so viele Leser, die sich verschiedener Genres bedienen. Ich persönlich lese im Moment eher einfachere Lektüre. Doch anspruchsvollere Literatur weiß ich auch zu schätzen!

      Schöne Grüße, Sara

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    2. Rafik Schami ist ein fantastischer Erzähler.
      Ich lese auch manchmal Fantasy, eine Zeit lang habe ich fast nur Fantasy gelesen, eine Zeit habe ich auch gar nicht gelesen, je nach dem was das Leben gerade auf dem Plan hat, ob ich zur Entspannung lesen will, oder zum poetischen Genuss, oder zum Nachdenken und Eintauchen. Meine Lese-Vorlieben wandeln sich hin und wieder. Was bleibt sind die Klassiker, die irgendwie immer passen.
      Meistens habe ich ein (un) bewusstes Thema, was sich eine Zeit durch die Bücher zieht und dann wechselt.

      Liebe Grüße, Anja

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    3. Das hört sich spannend an! Ich muss definitiv ausgiebig auf deinem Blog herumstöbern. Die Auswahl meiner Lektüre ist meistens fremdbestimmt. Also letzendlich entscheide natürlich ich. Aber es sind schon eher solche Bücher, die der Allgemeinheit der Leserschaft auch gefallen könnten.
      Einer der Nachteile, wenn man in dem Bereich arbeitet.

      Ein schönes Wochenende wünscht: Sara

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Danke, Kleckse! <3