Montag, 13. Juni 2016

"Hochsensibel" von Eliane Reichardt || Rezension




Es ist jetzt schon länger her, dass ich das letzte Mal etwas gepostet habe. Sogar mehr als einen Monat! 

Manchmal wird mir einfach alles zu viel und ich verkrieche mich in mein "Schneckenhaus", um etwas Kraft zu tanken. Damit das aber wirklich irgendetwas bringen könnte, müsste ich mehr Zeit zur Verfügung haben. 

Meine engeren Bekannten kennen das schon. Entweder bin ich bei allem dabei, oder wie vom Erdboden verschluckt. Ich wandel damit von einem Extrem in das andere. Und mag aber beides. Das nennt sich übrigens HSS. 


"High Sensation Seeker sind extrem introvertiert und gleichzeitig extrem extrovertiert. Ihr Leben ist eine ständige Gradwanderung zwischen den für HSM so typischen Schutz- und Ruhebedürfnis und dem dringenden Bedürfnis, angeregt zu werden oder zu sein." [Seite 81]


Während ich aus reizüberfluteten Ereignissen (z.B. die FBM) und neuen Bekanntschaften Energie schöpfen kann, ist auch der Ruhepool (alleine hinter einem Buch/Bildschirm & abgeschottet von der Außenwelt) meine Ladestation.


Danke an die Verlagsgruppe Randomhouse für das Rezensionsexemplar! 







Worum geht es? 


Laut Schätzungen ist jeder siebte Mensch hochsensibel und nimmt die Welt um sich herum intensiver und detaillierter wahr als der Rest der Welt. Doch oft weiß er selbst nichts von seiner besonderen Veranlagung, die von anderen Menschen leider nur allzu oft als Schwäche gedeutet oder von Ärzten/Therapeuten gar als psychische Störung gewertet wird.
Dieses Buch erläutert das Phänomen Hochsensibilität ausführlich und beschreibt, in welcher Weise hochsensible Menschen Alltagssituationen wie Einkaufen, Schule oder Arbeit erleben. Auch Ausgehen und Feiern fühlt sich für sie anders an …
Wie können sie ihr Leben trotz oder gerade mit ihrer Hochsensibilität am besten meistern? Wie lässt sich Hochsensibilität aus einer vermeintlichen Schwäche in eine echte Stärke umwandeln? Und zu guter Letzt: Wie können Hochsensible das in ihnen schlummernde Potenzial erwecken und voll entfalten?

[Quelle: Randomhouse]




An Silvester bin ich meistens drinnen, weil mir die Böller zu laut sind. Und wenn ich doch mal draußen dabei bin, zucke ich bei jedem lauten Geräusch zusammen. Einzelne Alltagsgeräusche können mich übrigens auch stark stören. Kaugeräusche zum Beispiel gehen mir durch Mark und Bein!! Während ich diese Zeilen schreibe, knallt der Donner draußen übrigens so, als würde die Welt unter... - KNALL!! - okay. Das war hart! Jetzt habe ich mich erschreckt. Da ist der Blitz wohl ganz in der Nähe eingeschlagen. Gleich rückt bestimmt die Feuerwehr aus. Aber im Großen und Ganzen finde ich Donner faszinierend. Und irgendwie befreiend! 

So richtig frei fühle ich mich übrigens im Sommer. An milderen (+freien) Tagen bin ich nur draußen, an sehr heißen steigt zusätzlich dazu mein Wasserverbrauch enorm. Das Licht der Sonne dagegen kann ich ohne Sonnenbrille nur selten ertragen. Besonders dann, wenn es von weißen Wänden oder Autospiegeln und Co. reflektiert wird. Falls ich dann die Sonnenbrille nicht aufhabe, seht man mich niesend durch die Gegend stolpern. 


Auffangen lasse ich mich dann aber nicht so gerne von Fremden. Was es damit auf sich hat, werde ich euch aber nicht erklären. Ihr versteht das bestimmt....

  

Die Sonnenbrille ist nur eines meiner Hilfsmittel. Zum EInschlafen habe ich schon immer etwas akustisches gebraucht. Hörbücher, Hörspiele, Filme oder eine meiner Serien. Criminal Minds habe ich die Woche erst beendet. Zum Einschlummern ist das aber weniger etwas. Es geht mir da aber nicht darum, müde zu werden. Dabei hilft das kein bisschen. Aber ich kann so mein Grübeln unterbinden. Sobald es nämlich ganz ruhig ist, läuft mein Denkapparat auf Hochtouren. Dann denke ich über die unsinnigsten Dinge nach. 


Als Jugendliche habe ich mich dann öfters gedanklich in andere Häuser "gezaubert". Sobald ich dort auch nur einmal war, konnte ich die verschiedenen Räume und Besonderheiten rekonstruieren. 




Im Kindergarten durfte ich in einem Theaterstück Schneewittchen spielen. Ich hatte langes, schwarzes Haar und habe ein blau-weiß-kariertes Kleid getragen. Wir waren im Turnraum und ich habe in der Mitte des Raumes gelegen. Neben mir: ein roter Apfel. Es war die Todes-/Kussszene. Ein gläsernen Sarg musste gar nicht her. Die Verkleidungen reichten auch aus. Mein Prinz war ein Zwillingsmädchen mit blonden Haaren. Sie war übrigens Teil meines Erzfeindinnen-Trios. Während L. mir einen Schmatzer auf die Wange geben musste, lästerte der Rest der Band im Zwergenkostüm aus Filz in der Ecke hinter vorgehaltener Hand... 
Später wurden wir übrigens beste Freunde. Mittlerweile sehen wir uns aber nur noch selten.

Ich habe den Test im Buch gemacht und könnte euch zu sehr vielen Punkten Fallbeispiele aus meinem eigenen Leben schildern. Meine leider zu ausgeprägte Empathie, ständige Selbstreflexion + zu hohe Erwartungen an mich selbst (da arbeite ich dran!) und vieles mehr... - aber das würde hier wohl den Rahmen sprengen.

Erst durch Eliane Reichardts Buch weiß ich, wieso ich bin, wie ich bin. 





Wie fand ich es? 






"Hochsensibel" ist eine Mischung aus Ratgeber und Sachbuch. 

Die übersichtliche Gliederung ermöglicht den Leser, schnell zu den für sie relevanten Unterthemen zu gelangen. Diese sind jeweils mit hohen Informationsgehalt kurz angeschnitten.
Jeder siebte Mensch besitzt laut Schätzungen den besonderen Charakterzug. Ich habe durch das Buch mehr über diesen gelernt und konnte auch einiges besser nachvollziehen. 


Den theoretischen Teil fand ich eigentlich interessanter als den praktischen. Ich habe also nicht jedes Fallbeispiel verschlungen. Schließlich hatte ich meine eigenen Erfahrungen vor Augen. Es hört sich vielleicht blöd an, aber ich habe durch dieses Buch eigentlich sogar mich selbst besser verstanden. 





Natürlich geht es in diesem Buch in erster Linie darum, den Hochsensiblen zu helfen. Also ist es mehr ein Ratgeber, als ein Sachbuch. Hilfreich ist es bestimmt auf jeden Fall. Ich habe nur meine eigenen Möglichkeiten gefunden, mit bestimmten Alltagsdingen umzugehen. Das noch ziemlich unerforschte Thema wird ausreichend angeschnitten, sodass man am Ende gut informiert ist, sich aber trotzdem gerne noch das ein oder andere Fachbuch holen möchte. Jedenfalls war das bei mir der Fall.


Die Autorin schafft es, zwischen Sachlichkeit und persönlicher Ansprache zu balancieren. Mir fiel dadurch das Lesen sehr leicht. Zumindest habe ich es für dieses Genre ziemlich flüssig durchgelesen.






Manche Syntome haben sich meiner Meinung nach sehr extrem angehört. Aber vielleicht haben auch andere wehement den Kopf geschüttelt, als ich mit diesem ebenso heftig genickt habe?


Meine Mutter und meine Cousine kennen dieses Buch übrigens mittlerweile auch ein bisschen. Ich bin ihnen nicht nur einmal laut zitierend mit dem Buch hinterhergerannt. Nicht, dass sie von mir geflüchtet sind. Glaube ich. Zumindest die eine der beiden ist ständig in Bewegung. Da blieb mir also nichts anderes übrig.


Ich glaube übrigens eher nicht, dass ich den Ratgeber-Teil benötige. Praktisch ist er für andere bestimmt dennoch. Falls ich selbst hochsensibel bin, dann doch schon etwas länger und habe somit auch gelernt, auf meine Weise mit dem Charakterzug umzugehen. Wohl aber auch eher erst in den letzten Jahren. An "schlechten Tagen" sieht man mich also selten ohne Kopfhörer und Rückzug meinerseits ist nicht selten. Trotzdem ist mein Verhalten nicht so extrem, dass man mich als Eremit in den Bergen finden wird. 

Ich mag mich meisten so, wie ich bin. Wer aber noch damit Probleme hat & denkt, dass er selbst hochsensibel sein könnte, leg' ich das Buch definitiv an's Herz. Natürlich und erst recht denjenigen, denen es schwer fällt, im Alltag ganz "normale Dinge" zu erledigen, weil die Reizüberflutung sie zu erdrücken droht!




Rezensionsexemplar von Randomhouse.de  (vielen Dank!!)
Fotografien by Sara Merzo
Edit mit Picmonkey.de
Nicht gekennzeichnete Zitate stammen von Sara Merzo selbst.

Kommentare:

  1. Das klingt super interessant. ..Mir geht es mit reizüberflutung auch oft so...Gerade Volksfeste oder ähnliches kann ich manchmal nur schwer ertragen. ..Auch das mit der blendenden sonne kenn ich nur zu gut 😉 ich fand es schön dass du auch bissl was persönliches erzählt hast ☺😆

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  2. Huhu! Wie schön, dass es dir gefallen hat! Das mit den Volksfesten glaube ich dir. Oktoberfest müsste nicht sein (Betrunkene und Co...), sonst käme ich damit wohl gut klar. Aber wie dir geht es bestimmt auch vielen! Wünsche dir einen schönen Montag - auf dass er schnell vorüber geht! :)

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  3. Toller, ehrlicher Beitrag. Danke dafür.
    Das Buch und die Thematik klingt ziemlich interessant. :)

    LG Nicci Trallafitti ❤

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    1. Hey!

      Vielen Dank für deinen Kommentar! Das Lesen hat sich wirklich gelohnt - liest sich schnell weg & man hat viel davon! :D

      Schöne Grüße, Sara ✬

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  4. Danke für den tollen Beitrag. Ich finde mich in einigen Punkten wieder und überlege nun, ob ich neben meinem Borderline nicht auch HSM haben könnte.

    Heute ist so ein Tag, wo ich nach 5 Tagen Trubel um mich rum gern ins Bett kriechen möchte und nix hören und sehen will. Geht nur nicht, wir leben auf einer Baustelle noch ohne Türen, die Schwiemu ist da und bügelt, schmeißt zig jedes Wäschwstück was sie findet in die Maschine, mein Verlobter baut Küche...

    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende

    LG Janine

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    1. Hey Janine!

      Ich danke dir, dass du ihn toll findest!
      HSM beschreibt ja Persönlichkeitszüge und ist keine Krankheit. Dass man sich sehr oft zurückziehen möchte, ist die Folge der Reizüberflutung, die man weniger als andere filtert.
      Du kannst ja ein bisschen im Internet stöbern und eventuell auch ein paar Tests machen (auf einen sollte man sich nicht verlassen).
      Denke, dass jeder "normale Mensch" in deiner Situation (Baustelle, Schwiegermutter,...) und anderen Stressituationen mal ein bisschen Zeit für sich benötigt.

      Danke für die Wünsche! Ich wünsch dir dann einfach mal eine schöne Woche! :)

      LG zurück, Sara

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Danke, Kleckse! <3